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Verhinderung von Erbkrankheiten

Mitglieder der Schafzüchtervereinigung NRW bemühen sich, durch Selektion und Bereitstellung erbgesunder Zuchtböcke die Ausbreitung von Erbkrankheiten zu verhindern. Ein gewaltiger Fortschritt konnte in den letzten Jahren durch die Identifizierung von Genen erreicht werden, die für das Auftreten von Erbkrankheiten verantwortlich sind. In der Regel ist es so, dass die Krankheit nur dann ausbricht, wenn bestimmte Gene homozygot, d.h. reinerbig auftreten. Das Schaf besitzt zwei Chromosomenpaare, die Krankheit bricht also nur dann auf, wenn die krankmachenden Gene auf beiden Chromosomen eines Paares vorhanden sind. Sind diese Gene nur auf einem der beiden Chromosomen vorhanden, bleibt das Tier gesund, das Tier ist aber Träger der krankmachenden Gens. Paart sich das Tier mit einem Partner, dessen Erbgut ebenfalls diese krankmachenden Gene trägt, wird die Krankheit bei einem Teil der Nachkommen auftreten.

Durch die neuen Möglichkeiten, über eine Gewebe- oder Blutprobeprobe das Erbgut eines Tieres zu untersuchen (Genotypisierung), kann man erkennen, ob das Tier Träger des krankmachenden Gens ist, auch wenn bei ihm selbst die Krankheit nicht auftritt (heterozygote Anlagenträger). Solche Tiere kann man von der Zucht ausschließen, so dass sie ihr schädliches Erbgut nicht an die Nachkommen weitergebn können. Derzeit selektieren Züchter auf Erbgesundheit bei zwei Erbkrankheiten:

Spieder Lamb Syndrom (SLS)

SLS ist unter dem Namen Spinnenbeinigkeit bekannt und trat erstmalig Anfang diese Jahrtausends in Deutschland bei Lämmern der Rasse Suffolk auf. Sie führt bei jungen Lämmern zu einer starken Deformation der Gliedmaßen, die Lämmer können nicht mehr laufen und müssen vor Erreichen des Schlachtalters aus Gründen des Tierschutzes eingeschläfert werden. SLS wird durch das homozygote Auftreten eines einzelnen Gens ausgelöst, heterozygote Anlagenträger sind gesund, werden daher nicht erkannt. Seit dem Jahr 2005 ist in Deutschland ein Gentest verfügbar, mit dem heterozygote Anlagenträger (NS) von homozygoten Anlagenträgern (NN) unterschieden werden können.

 

Lamm mit SLS

Die Schafzüchtervereinigung NRW hat entschieden, in der Suffolk-Zucht nur noch Böcke zum Deckeinsatz zuzulassen, die als NN-Anlagenträger identifiziert worden sind. Seit dem Jahr 2006 lassen die Suffolk-Züchter systematisch alle für den Deckeinsatz in Frage kommenden Suffolk-Böcke untersuchen und haben sich auch verpflichtet, alle Ergebnisse an die Schafzüchtervereinigung NRW zu melden.

Seit mehreren Jahren wurde bei allen untersuchten Tieren der NN-Genotyp festgestellt, so dass davon ausgegangen werden kann, dass mittlerweile alle Träger der Erbfehleranlage eliminiert sind und damit das Zuchtprogramm zur Eliminierung von SLS in der nordrhein-westfälischen Suffolk-Zucht als erfolgreich abgeschlossen angesehen werden kann.

Mikrophthalmie (MO)

Seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass in der Zuchttierpopulation der Rasse Texel eine Erbkrankheit vorkommt, die sich darin äußert, dass Lämmer aufgrund einer Missbildung der Augen blind geboren werden. Diese Krankheit wird als Mikrophthalmie (MO) bezeichnet. Wie bei SLS sind die Eltern betroffener Lämmer Träger der Mutation, lassen sich jedoch als gesunde Schafe nicht von anderen Schafen unterscheiden.

Seit dem Jahr 2010 ist in Deutschland ein Gentest verfügbar, mit dem Anlagenträger (C/G) von erbgesunden Tieren unterschieden werden können. Aufgrund der Ergebnisse erster Untersuchungen von Texel-Züchtern, die auf Privatinitiative hin erfolgten, hat der Zuchtausschuss der Schafzüchtervereinigung NRW 2011 beschlossen, wie bei SLS nur noch per Gentest nachgewiesen erbgesunde Böcke zum Deckeinsatz in der Herdbuchzucht zuzulassen.

Die Texelzüchter haben seitdem die neue Untersuchungsmöglichkeit in großem Umfang genutzt. Die Häufigkeit des Erbfehlers Mikrophthalmie lag zu Beginn der Untersuchungen in einer ähnlichen Größenordnung wie bei SLS, in einigen Beständen wurden keine Anlagenträger, in anderen Beständen wurden Häufigkeiten von bis zu 21 % gefunden. Die Entwicklung der Unersuchtungsergebnisse zeigt, dass mit einer vollständigen Eliminierung der C/G in naher Zukunft noch nicht gerechnet werden.

 

 

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