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Minister Uhlenberg im Gespräch mit Berufsschäfern
2009-06-23 13:43:26
Viel Zeit nahm sich der Minister für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Eckhardt Uhlenberg, am Donnerstag, dem 18. Juni 2009 in Wickede (Ruhr) bei einem Gespräch mit Berufsschäfern des Schafzuchtverbandes Nordrhein-Westfalen. In der fast dreistündigen Unterredung konnten die Schäfer vor allem ihre Sorgen angesichts Überhand nehmender Bürokratie zum Ausdruck bringen, mit der sie sich zunehmend überfordert fühlen, so dass die Gefahr besteht, dass die Schafhaltung in NRW weiter drastisch zurückgehen wird.

Zu dem Gespräch mit dem Minister hatte die Schäferei Pieper aus Wickede eingeladen, Alfons Pieper kennt den Minister noch aus seiner Berufsschulzeit, in der er mit Eckhardt Uhlenberg vor vielen Jahren gemeinsam die Schulbank gedrückt hat. Eine Reihe von Schäfern aus ganz Nordrhein-Westfalen nutzte die Gelegenheit, mit dem Minister zu diskutieren und freute sich über das offene Ohr des gut auf die verschiedenen Themen vorbereiteten Ministers.

Ganz im Zentrum der Diskussion stand vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Demonstration der Landwirte und Schäfer anlässlich einer Sitzung des Agrarministerrates in Luxemburg die Frage der Einführung der elektronischen Kennzeichnung der Schafe, die allen Schafhaltern in ganz Europa ab dem 1. Januar 2010 vorgeschrieben wird, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit ihrer Schafe im Falle einer Tierseuche sicherzustellen.

Die Schafhalter fühlen sich als Versuchskaninchen für ein bislang nicht ausgereiftes System. Die Schäfer führten an, dass erste Ergebnisse einer bundesweiten Studie zeigen, dass in der Praxis große Probleme bei der Lesbarkeit der mit Chips bestückten Ohrmarken zu erwarten sind und können nicht verstehen, dass die Schafe die erste Tierart sein sollen, bei denen diese Art der Kennzeichnung verpflichtend vorgeschrieben wird, während bei Schweinen und Rindern allenfalls über eine freiwillige elektronische Kennzeichnung nachgedacht wird.

Darüber hinaus wiesen die Schäfer darauf hin, dass vor allem in der Landschaftspflege ein zweistelliger Prozentsatz der Ohrmarken verloren geht, weil die Schafe im Gestrüpp und Zäunen mit den Ohren hängen bleiben und beim Versuch sich zu befreien die Ohrmarken ausgerissen werden. Vor allem in den Sommermonaten führt dann die vorgeschriebene Nachkennzeichnung in vielen Fällen zu eitrigen Entzündungen, die nur schwer zu behandeln sind.

Minister Uhlenberg zeigte viel Verständnis für die Sorgen der Schäfer und sagte zu, einen Brief an die für die Kennzeichnungsvorschriften zuständige Bundesministerin Aigner zu schreiben, um sie noch einmal auf die zu erwartenden Probleme aufmerksam zu machen. Darüber hinaus will er sich auch noch einmal mit seinen Länderkollegen beraten, welche Möglichkeiten es gibt, den Schäfern zu helfen. Er wies allerdings auch darauf hin, dass sowohl Bund als auch Länder nur begrenzt Einfluss auf die Kennzeichnungsvorschriften haben, da diese letztlich von allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft verabschiedet worden seien und nur gemeinsam von diesen Ländern geändert werden könnten.

Bei aller Kritik an der ausufernden Bürokratie hatten die Schäfer auch ein Dankeschön für ihren Minister übrig. Dieses betraf die Unterstützung im Jahr 2007 bei der Bewältigung der Blauzungenkrankheit, die zu viel Tränen und finanziellen Verlusten bei Schafhaltern geführt hatte. Durch die Zusage der großzügigen Entschädigung von Verlusten durch die Tierseuchenkasse hatte sich der Minister aus anderen Bundesländern durchaus Kritik anhören müssen, und auch Schafhalter aus dem östlichen Teil Nordrhein-Westfalens, der nicht ganz so stark von der Seuche betroffen war, zeigten weniger Verständnis, als ihnen im Jahr 2008 die Beitragsrechnung der Tierseuchenkasse präsentiert wurde. Aber letztlich müssen auch diese Schafhalter zugestehen, dass durch die 50-prozentige Beteiligung des Landes an den Kosten der Seuche eine erhebliche Entlastung des Schafsektors erfolgt ist. Derzeit ist an dieser Front Ruhe eingekehrt, da die Einführung der Impfung nachhaltig positive Wirkung gezeigt hat.

Weitere Diskussionsthemen waren u.a. die Gefahren, die von Beutegreifern (Luchse, Wölfe) für die Schafhalter ausgehen, die Berücksichtigung der Schafhalter bei Steuererleichterungen für Diesel, die zukünftige Finanzierung des Schafzuchtverbandes NRW und die Belastung der Schäfereien durch rücksichtslose Hundehalter. Nicht alle Antworten, die Minister Uhlenberg parat hatte, waren für die Schäfer zufriedenstellend, aber man ging dennoch mit dem Gefühl auseinander, dass der Minister die Sorgen der Schäfer ernst nimmt und ein nachhaltiges Interesse hat, dass der Rückgang der Schafhaltung in NRW gestoppt wird.
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