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Bericht und Fotos von der Lehrfahrt des Schafzuchtverbandes nach Südostengland
2014-09-17 11:27:45
Anfang September war es endlich so weit: Eine bunt gemischte Gruppe von etwa 40 Schäfern, Schafhaltern und Schafzüchtern aus NRW machte sich auf große Fahrt über den Kanal Richtung Süd-Ostengland. Das bewährte Planungsteam um Rudi Welter und Karl Wey hatte wieder einmal ein vielversprechendes Programm zusammengestellt.

Die Reise führte uns über Flandern in Belgien bis zum Hafen von Dünkirchen in Frankreich. Mit der Autofähre ging es Richtung Dover. Unser erstes Ziel war Rye in East-Sussex. Das Örtchen hatte es bereits im Mittelalter zu beachtlichem Reichtum gebracht. Anschließend fuhren wir weiter ins mondäne Seebad Eastbourne in Sussex. Hier bezogen wir unser erstes Quartier: das Eastbourne Centre, ein Hotel direkt am Meer gelegen.

Am zweiten Tag besuchten wir nach einem typisch englischen Frühstück einen Viehmarkt in Hailsham. Neben einigen Rindern und Schweinen werden hier mittwochs in erster Linie Mastlämmer, Kälber, Schlachtkühe und einige Zuchtlämmer aus dem näheren Umfeld an Schäfer, Händler und Aufkäufer vermarktet. Ein Ganglamm brachte zum Beispiel 65 engl. Pfund auf. In der Summe wurden etwa 1.400 Schafe verkauft und später teilweise (etwa zu 30 %) auch als Lebendvieh über Dover nach Frankreich vermarktet.

Im Seven Sisters Sheep Centre stellte uns Schäfer Terry seine Farm mit 600 Schafen sowie etwa 30 seltene Rassen (sog. rare breeds) wie etwa das North Ronaldsay vor, von denen lt. Erhebung nur noch etwa 500 bis 900 Zuchtschafe im vereinigten Königreich existieren.

Anschließend konnten wir die englische Steilküste im Seven-Sisters-Country-Park aus nächster Nähe bestaunen und bei schönstem Wetter atemberaubende Ausblicke auf das längste natürliche Kalkriff Europas genießen.
Der dritte Tag führte uns erneut in die South-Downs. Hier besuchten wir Tom Masters, einen jungen Farmer, der in der kleinen Hafenstadt Seaford einen Pachthof bewirtschaftet. Er hält auf 200 ha etwa 1.000 Mutterschafe und 40 Mutterkühe. Weibliche Kreuzungstiere, sog. „Mules“ der Rassen Swaledale x Bluefaced Leicester werden zugekauft und mit Fleischschafböcken der Rassen Suffolk, die hieraus resultierende weibliche Nachzucht später dann mit Texelböcken verpaart. Tom Masters ist Pächter in 1. Generation. Der Pachtvertrag endet, wenn er das 65. Lebensjahr erreicht hat.

Am Nachmittag besuchten wir die Church Farm in Shoreham on Sea westlich von Brighton. Die etwa 400 ha große Farm befindet sich seit 1901 im Familienbesitz. Hier werden neben ca. 1.000 Mutterschafen mit je 1,5 Lämmern einige Mutterkühe gehalten sowie 50 ha Weizen angebaut. Mit Trecker und Wagen konnten wir die ausgedehnten Weide¬flächen in Hanglage aus nächster Nähe besichtigen.

Der vierte Tag begann in aller Frühe mit einem Besuch der „Kent Wool Groovers“. Hierbei handelt es sich um eine eigenständige Vermarktungshalle für Wolle. Lediglich 4 Mitarbeiter vermarkten hier nach den Vorgaben des „British Wool Marketing Board“ jährlich bis zu 1 Mio. kg Wolle aus der Region Süd-England. Nach dem Aussortieren farbiger Wolle werden diese in schwere Pakete verpresst und anschließend zu 95 % per Container an Abnehmer in Polen oder China verschifft.

Auf dem „Ashford-Market“ - einem Vermarktungszentrum für Schafe in Englands Südosten - werden pro Jahr in der Summe etwa 250.000 Schafe, 25.000 Rinder, 5.000 Schweine und Kälber abgesetzt. Der Markt existiert bereits seit 1856. Am Be¬sichtigungsag wurden innerhalb von nur 1,5 Stunden circa 3.800 Schafe versteigert und im Durchschnitt je Lamm ein Preis von 50 – 70 engl. Pfund erzielt.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zu Frank Langrish in Rye-Winchelsea in East-Sussex. Er hält ca. 5.000 Mutterschafe auf drei Farmen. Im Betrieb Langrish werden die Schafe nach der Deckzeit mittels Ultraschall auf Trächtigkeit untersucht und anschließend sortiert. Noch während der Säugezeit werden ab Mitte Juni die ersten Lämmer schlachtreif vermarktet. Am Camber Castle, einer alten Befestigungsanlage aus dem 16. Jhdt. machten wir ein Abschlussfoto.

Am letzten Tag unserer Reise bereisten wir London. Nach kurzem Aufenthalt in der Nähe des Towers und einer Stadtrundfahrt durch die mehr als 8 Mio. Einwohner zählende Metropole vorbei an touristischen Zielen machten wir uns dann abends etwas wehmütig und geschafft auf den Heimweg. Am frühen Sonntagmorgen erreichten wir Deutschland. Viele Teilnehmer waren sich darüber einig, dass dies nicht die letzte Fahrt zur Insel im Atlantik sein sollte.

Fotos von der Fahrt



Text und Fotos: Markus Barkhausen
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